Wacholdersommer - Antje Babendererde

7/29/2017 Isa Schubert 0 Comments

  Preis: 9,99 €
Seitenanzahl: 320
Erscheinungsdatum: 10. Juli 2017
Verlag: cbt

Beschreibung: 
Die 17-jährige Halbindianerin Kaye war schon als Kind in Will verliebt, den Enkel eines benachbarten Schafzüchters und Silberschmieds, doch dann geschah etwas Schreckliches. Als der 19-jährige Will nach fünf Jahren Gefängnis plötzlich wieder auftaucht, ist Kaye ratlos: Ihre Briefe hat er nicht einmal gelesen – und doch kann sie nicht glauben, dass er getan hat, wofür er angeklagt wurde. Außerdem ist da noch immer die unverminderte Anziehungskraft zwischen den beiden ...

Meine Meinung:
Eigentlich war ich immer ein ziemlicher Fan der Antje Babendererde-Bücher ... Eigentlich. Dieses Buch hier gehört definitiv nicht dazu. 

Das Ganze fängt schön beim Cover an: Schön ist wirklich was anderes. Aber hey, das wäre wahrscheinlich gar kein Problem gewesen, wenn es einen guten Bezug zum Buch gehabt hätte. Jap ... Hat es aber nicht. Es taucht nicht ein einziges Mal auch nur ein Schmetterling in dem Buch auf. Und da gerade dieser das Cover UND den Buchrücken ziert, frage ich mich jetzt nur: Wieso? 
Natürlich ist das Buch eine Neuauflage von "Zweiherz" (was mal ganz nebenbei ein sehr passendes Cover hat), aber nur weil man es nochmal neu produziert, muss es doch nicht ganz anderes sein? Vor allem nichts vollkommen Fremdes vom Inhalt. Aber hey, immerhin wird ja ein paar Mal ein Wacholderbusch erwähnt, wenn es gerade um die Natur geht. Ganz toll. 

Ein zweites großes Fragezeichen, das mir beim Lesen über dem Kopf schwebte, bildete der Titel. Auch hier sehe ich absolut keinen ausschlaggebenden Bezug zum Buch, außer dass es gerade Sommer ist und in dem Reservat und dessen Umgebung, in dem das Buch spielt, hin und wieder so ein Busch wächst. Komisch, komisch. 

Aber kommen wir mal zum Guten: Ein Punkt, der mich bei jedem der Bücher der Autorin fesselt, ist der absolut gelungene Teil über die Indianerkultur, deren Land und deren Probleme. Es ist der absolute Wahnsinn, wieviel Recherche hinter den Büchern stecken muss, um das Leben und die Mentalität der bis heute existierenden Stämme so gut zu vermitteln. Es ist wirklich der reinste Urlaub für die Seele, weil das Buch einem in diesem Thema so viel Wissenswertes mitgibt. Gerade hier war es immer wieder toll zu lesen, wie anders der Alltag und die Mentalität der Navajo ist. Also jedem, der sich dafür interessiert, sind diese Bücher absolut ans Herz zu legen! 

Leider war das aber auch mein einziger wirklicher Pluspunkt für das Buch. Weiter geht es nämlich mit einem sehr kalten, distanzierten Schreibstil, der einem eher ein unwohles Gefühl gibt als eine Vorfreude, das Buch wieder in die Hände nehmen zu können. Komischerweise hat mir der Babendererdes Schreibstil immer gut gefallen, aber hier, wahrscheinlich in Kombination mit der Mentalität der Protagonisten, fand ich ihn gar nicht gut. Dieser unterstützt nämlich nur noch, dass man sich den Charakteren nur noch ferner fühlt und sich gar nicht mit ihnen identifizieren oder sie auch nur sympathisch finden kann. Gerade der Er-Erzähler macht einem das fast unmöglich. Meiner Meinung nach hätte man das so viel besser gestalten können, indem man einfach diesen doofen auktorialen Erzähler weglässt und ihn durch einen Ich-Erzähler und regelmäßigem Perspektivenwechsel zwischen Kaye und Will ersetzt. So hätte man (unterdrückte) Gefühle und Gedanken einfach so viel besser aufnehmen können.

Aber was ist nun eigentlich genau mit Mentalität gemeint? Sagen wir es so: Der Navajo-Stamm möchte es so gut es geht umgehen, große Gefühle offen zu zeigen. Das macht es, wie man sich schon denken kann, für einen außenstehenden Leser (man wurde ja durch die Erzählform praktisch aus dem Inneren des Protagonisten verbannt) noch viel, viel schwerer irgendwie mit den Protagonisten mitzufiebern. 
Stattdessen kamen einem die Charaktere eher etwas idiotisch oder launisch vor. 
Kaye, unsere Protagonistin, fand ich zwar immer sehr reif, aber eben auch total verklemmt und stur. Sie kam mir irgendwie schon vor, wie eine 60-jährige, alte Jungfer und nicht wie ein 17-jähriges, gesundes Mädchen, dem die ganze Welt offen steht. Außerdem fand ich manche ihrer Gedankengänge einfach so absurd. Ich beschreibe mal eine Situation, die nicht wirklich relevant für die Story ist. Also keine Sorge, ich spoilere nicht! 
Will ist aus dem Gefängnis entlassen worden und es scheint so, als hätte er keinen Bock mehr auf Kaye. Sie rennt ihm dauernd hinterher, stalkt ihn schon fast. Ihr Vater meint zu ihr, dass sie es lieber lassen soll und er ihn eh nicht mag, weil er ja anscheinend ein Krimineller ist und sie antwortet nur, dass sie ihn eh heiraten und mit ihm Kinder kriegen wird, er solle sich damit abfinden. Aber das Beste kommt noch: Warum nämlich das Ganze? Ja, das hat Will ihr ja versprochen, als er 12 Jahre alt war. WHAT?

Wie ihr seht, die Charaktere und deren Handlungen sind einfach kaum nachvollziehbar, fast genauso, vielleicht nicht ganz so schlimm, steht es um Will. Dieser ist die ganze Zeit der größte Grummel (Ja, ich weiß. Das Wort gibt es nicht, aber es passt!) und meckert an jedem und allem herum. 

Auch der Verlauf der Story konnte mich gar nicht überzeugen. Mein Freund fragte mich vor ein paar Tagen, um was es denn in dem Buch ginge, und Leute, ich konnte es ihm einfach nicht erklären. Keeeine Ahnung, in welches Genre ich dieses Buch einordnen sollte. Ein Mix aus Liebesgeschichte, gepaart mit einer Geschichte über fremde Kulturen und nochmal addiert mit einem Krimi? 
Denn, seht und staunet, es kommt auch noch ein ganz schlechter Kriminalfall hinzu. Echt, darüber kann man sich eigentlich nur an den Kopf fassen. Null Spannung, null Relevanz. 
Und noch schlimmer war es, dass in den ersten zweihundert Seiten praktisch nichts passiert. Zusätzlich sind es viel zu viele Nebenstories über die Mutter, die beste Freundin, Wills Vergangenheit, ... und dann wird alles einfach nur angerissen und gar nicht vertieft werden. Genauso gut hätte man diese einfach weglassen können und die Hauptstory besser ausbauen können. Gut, ich wüsste jetzt nicht mal direkt, was die Hauptstory sein sollte ... Aber da seht ihr das Problem, es ist einfach zu viel!

Fazit:
Von diesem Buch rate ich euch wirklich ab! Das einzig Gute ist der Teil über die Indianerkultur der Navaja, der super ist. Alles andere hätte man sich sparen können. Aber selbst wenn euch dieses Thema interessiert, dann nehmt euch lieber ein anderes Buch von Antje Babendererde zur Hand (zum Beispiel "Rain Song" oder "Indigosommer"), aber spart euch das hier!

2 von 5 Sternen

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Vielen Dank an den cbt Verlag für dieses Rezensionsexemplar! ♥ 

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