Johannes liest: Lautloses Duell - Jeffery Deaver

9/24/2017 thatweirdbookgirl 0 Comments


Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für dieses kostenlose Rezensionsexemplar! ♥
  Preis: 9,99 €
Seitenanzahl: 512
Erscheinungsdatum: 21. August 2017
Verlag: Blanvalet
Originaltitel: The Blue Nowhere

Beschreibung: 
Angst und Schrecken breiten sich im Silicon Valley aus. Unter dem Codenamen Phate hackt sich ein Mörder in die Computer seiner zukünftigen Opfer ein. So erfährt er ihre intimsten Geheimnisse und kann sie in eine tödliche Falle locken. Um den Täter endlich zu entlarven, wählt Detective Anderson einen ungewöhnlichen Weg. Er bittet Wyatt Gillette, Computergenie und zurzeit in Haft, um Hilfe. Wyatt bekommt einen Rechner gestellt, als Gegenleistung soll er Phate aufspüren. Ein nervenzerreißendes Duell beginnt …

Johannes' Meinung:


Nicht zum ersten Mal ist Johannes auf Jeffery Deaver getroffen - oder besser gesagt: auf eins seiner Bücher. Dies war auch der Auslöser dafür, dass wir mit genau diesem Buch eine neue Kategorie starten wollten.
Schon "Carte Blanche" von Jeffery Deaver konnte Johannes mehr als begeistern, weshalb er dieses auch mehrere Male gelesen hat - und das muss bei Johannes was heißen, Leute. Aber fangen wir jetzt mit dem neusten Buch des Autors an, oder besser gesagt der neusten Auflage, denn schon 2002 fand dieser Titel seinen Platz in den Bücherregalen Deutschlands.

Was man gleich am Anfang sagen sollte - diese Neuauflage hat sich gelohnt, was man schon beim Cover sieht. Nicht nur das dunkle und regelrecht bedrohliche Cover zeigt, dass es sich hier ganz klar um einen Thriller handelt, auch die Aufmachung im Buch ist mehr als gelungen. Denn wie der Klappentext schon erahnen lässt, dreht es sich im Buch nicht allein um die Arbeit der Detectives, sondern auch um die Parallelwelt in den Tiefen des Internets und natürlich auch das Mitwirken zahlreicher Hacker. Um das deutlich zu machen, sind nicht nur die Kapitelüberschriften im Binärcode-Stil, es gibt auch einige Schemata oder Chatverläufe, was natürlich megagut wirkt und den Leser direkt in diese Welt eintauchen lässt.

Und wenn wir schon mal beim Eintauchen sind - auch der Einstieg ins Buch ist total fesselnd und toll konstruiert. Schon nach nicht mal zehn Seiten läuft einem der erste Schauer über den Rücken.
Diese aufgebaute Spannung zieht sich aber leider nicht durchs ganze Buch, da die erste Hälfte des Buches erstmal nur schleppend voranging. Keine großen Fortschritte, kaum Entwicklungen, dafür zahlreiche Erklärungen und Definitionen über technische Details, die kaum etwas zur Story beitragen und in diesem Moment eher (auf deutsch gesagt) nerven. Zum einen wirkt das natürlich authentisch, zum anderen strengt es den Leser aber zu sehr an, um der Handlung dementsprechend zu folgen. Wir betonen: die erste Hälfte.
Denn nachdem der Autor seinen Leser über alle Grundsätze und -funktionen im alltäglichen Leben eines Hackers aufgeklärt hat, entwickelt sich im wahrsten Sinne des Wortes ein zwar lautloses, aber auch unglaublich fesselndes und aktionsreiches Duell zwischen beiden Seiten. Somit steigt die Spannung nun wieder rapide und lässt den Leser kaum noch los. Und nun ein Pluspunkt, den Jeffery Deaver im Allgemeinen hat: Seine Bücher sind durchzogen von überraschenden Wenden, mit denen er regelrecht mit seinen Lesern spielt.

Ebenso trägt Deavers Schreibstil durch seine konkrete und eher nüchterne Ausdrucksweise zur Konstruktion dieser düsteren Grundstimmung und Atmosphäre bei. Deaver ist nicht der Typ für verschachtelte, verblümte Formulierungen, und das ist auch gut so. Mit seiner kühlen aber klaren Art unterstreicht er die Geschichte und deren Entwicklung.

Aber denkt jetzt nicht, dass die Beziehung zum Buch und dessen Story eine distanzierte mit undurchdringlichem Panzer wäre. Nein, der Leser ist hautnah am Geschehen dabei und fiebert mit dem Team mit. Außerdem schafft es Deaver trotz seiner Kühle auch schöne Situationen zum Leben zu erwecken, die die Geschichte einfach authentischer und lebendiger wirken lassen.
Man kann der Handlung im Allgemeinen sehr gut folgen, und auch dessen Entwicklung ab der zweiten Hälfte des Buches stetig nacheifern. Der rote Faden, der bei einem guten Thriller von Nutzen ist, ist einfach da. Punkt.
Zu guter Letzt findet das Buch auch ein logisches und gut erdachtes Ende, das man nicht hat kommen sehen und den Leser letztendlich eher aufgewühlt zurückgelassen hat.

Warum aufgewühlt? Wegen dem extremen und total schockierenden Realitätsbezug, den Deaver auch nochmal selbst in seinem Nachwort erwähnt. Das Buch und seine Geschichte führt einem nochmal aufs krasseste vor Augen, wie Daten und Techniken den falschen Menschen in die Hände spielen kann und wozu dies im Endeffekt und im schlimmsten Fall führen kann, obwohl es doch heutzutage etwas so Normales und Alltägliches für jeden von uns ist. Kurz gesagt: eine geniale Grundidee!

Zu guter Letzt noch ein paar Wörtchen zu den Charakteren im Buch. Leider lernt man diese erst (wieder) ab der Mitte des Buches kennen, da vorher kaum auf deren Inneres eingegangen wird, was wieder zwei Seiten hat. Numero 1: Es ist sehr, sehr schade, dass man einfach keinen Bezug zu diesen hat und so gut wie gar nicht mit diesen sympathisieren kann. Numero 2: Es regt natürlich unglaublich die Spannung an, wenn du eigentlich gar nicht weißt, wen du da vor dir hast.
Dementsprechend ist es wohl jedem selbst überlassen, wie er diese Gegebenheit empfindet.
Sobald man aber Detective Bishop, Wyatt Gillette und weitere Charaktere, deren Entwicklungen und vor allem Beziehungen untereinander näher geschildert bekommt, wachsen diese einem wirklich ans Herz. Bishops Unvoreingenommenheit, seine herzliche Art und sein unentwegtes Bemühen sich für das Gute einzusetzen, lassen ihn immer sympathischer werden. Ein wirklich toller Protagonist!
Leider waren aber echt ein Tick zu viel Polizisten ohne das gewisse Etwas an der Geschichte beteiligt, sodass man diese weder untereinander zuordnen konnte, noch einen richtigen Überblick behalten konnte.


Fazit:
Eine beeindruckende und spannende Geschichte mit einem erschreckenden Realitätsbezug, (Kann man es demnach überhaupt noch "Fiktion" nennen?) genialen Wendungen und einem gelungenen Schreibstil. Einen Stern Abzug gibt es aber, wegen der eher schleppenden ersten Hälfte, die von überflüssigen technischen Ausführungen überlagert ist.
Man sollte also wirklich ein gewisses Interesse an diesem Bereich mitbringen, um das Buch vollends genießen zu können.


4 von 5 Sternen

                                                                                                

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