Die letzte Reise der Meerjungfrau - Imogen Hermes Gowar

5/07/2018 thatweirdbookgirl 0 Comments


oder wie Jonah Hancock über Nacht zum reichen Mann wurde 

  Preis: 20,00 €
Seitenanzahl: 560
Erscheinungsdatum: 29. März 2017
Verlag: Bastei Lübbe
Originaltitel: The Mermaid and Mrs. Hancock

Beschreibung: 
Ein Wunder, raunen die einen. Betrug, rufen die anderen. Für den Kaufmann Jonah Hancock zählt nur eines: Die Meerjungfrau, die sein Kapitän aus Übersee mitgebracht hat, versetzt ganz London in Staunen. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Kunde in den Kaffeehäusern, Salons und Bordellen der Stadt. Jonah steigt in die obersten Kreise der Gesellschaft auf und verkauft seine Meerjungfrau schließlich für eine schwindelerregende Summe. Nur die Gunst der Edelkurtisane Angelica Neal bleibt unerschwinglich für ihn, denn als Beweis seiner Liebe fordert Angelica eine eigene Meerjungfrau. Jonah setzt alles daran, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Doch Wunder haben einen hohen Preis. 

Meine Meinung:

Heute fällt mir die schwere Aufgabe zu, zu diesem Buch eine Rezension zu verfassen und mein Leseerlebnis irgendwie in Worte zu fassen - und Halleluja, das ist echt eine Herausforderung. Als ich das erste Mal von diesem Buch gehört habe, habe ich mit einer Geschichte gerechnet, die in Richtung Fantasy geht und ein Märchen á la Die kleine Meerjungfrau erzählt. Aber ganz falsch! Dieses Buch geht definitiv in eine andere, viel mehr historische Richtung und das ist so, so, so gut gelungen. Insgesamt würde ich sagen, dass höchstens fünf Prozent des Buches reine Fantasy-Elemente beinhaltet, jedoch baut sich die ganze Geschichte mit ihren historischen Facetten genau auf diesem kleinen Anteil auf. Zusammen ergibt dies ein wahres Meisterwerk.

Imogen Hermes Gowar entführt uns in ihrem Debütroman ins England des 18. Jahrhundert. Hier ist zu betonen, dass sie sich und ihren Lesern dabei nichts vorspinnt, sondern eine enorme Fachkenntnis einbezieht, was vor allem daran liegt, dass sie Archäologie, Anthropologie und Kunstgeschichte studiert hat und sich von ihrer Arbeit in zahlreichen Museen inspirieren lassen hat. So schafft sie es voll und ganz ihren Leser mit sich zu ziehen und die Welt glaubhaft aufleben zu lassen.

Im Zentrum der Erzählung stehen zum einen unser Mr. Hancock, der eines Nachts überraschenderweise mit einer toten, vertrockneten Meerjungfrau beliefert wird, die viel mehr einem Kobold gleicht als den schönen Sirenen aus den Erzählungen. Auf der anderen Seite verfolgen wir Angelica Neal, eine Edelprostituierte, die ein etwas anderes Leben führt als der gute Jonah Hancock. Wie deren Leben nun aber zusammenspielen, tja, das ist nicht nur absolut interessant, es hat auch wirklich Spaß gemacht, die beiden zu begleiten. 
Die Autorin hat hierbei den Nagel auf den Kopf getroffen. Sie hat so facettenreiche, vielseitige Personen erschaffen, die vielleicht nicht unbedingt auf den ersten Blick sympathisch wirken, aber die so erstaunlich miteinander agieren, dass eine Geschichte entsteht, bei der man nun wirklich nicht vorausahnen kann, wohin sie führt - in wirklich keinem einzigen Aspekt. 
Dies gibt der Geschichte eine solche Spannung, dass sie einen wirklich gefangen nimmt und nicht mehr loslässt. Man möchte einfach unbedingt wissen, wohin diese führt und wie sie ausgeht. Gerade weil Imogen Hermes Gowar die kuriosen, absonderlichen Elemente mit reiner Geschichte verwebt, weiß man nie, worauf das alles hinauslaufen wird. 

Die Geschichte selbst entwickelt sich hier nicht rasend schnell, sondern peu à peu und sehr nachvollziehbar, was aufgrund der teilweise sehr schrägen Charakteren ein wahres Wunder ist. Wie schon angedeutet sind sich unsere Protagonisten von Grund auf unähnlich und wahrscheinlich ist es auch gerade das, was die Geschichte so auf Trapp hält. Wo Mr. Hancock sehr ruhig, bedacht und fast schon ein wenig verklemmt ist, ist Angelica der Reiz in Person. Sie lebt ein überschwängliches, verführerisches, saloppes Leben. Als Leser braucht man wirklich Zeit um beide Personen einschätzen zu können und wirklich kennenzulernen, aber sobald dies geschehen ist, will man immer und immer mehr von ihnen hören. Eingerahmt wird die Geschichte durch besondere Nebencharaktere wie Sukie, Jonahs Nichte, Mrs. Frost, Angelicas Haushälterin und auch Mrs. Chappel, die Besitzerin des Bordells. Ich muss auch sagen, dass ich noch nach Beenden des Buches lange über die verschiedenen Persönlichkeiten nachgedacht und gegrübelt habe, wie sich deren Wege weiterentwickeln könnten. Vor allem dies spiegelt die Sogwirkung des Buches nochmal gut wieder, denn das passiert mir nicht oft!

Überzeugen konnte auch das ganze Setting der Geschichte um Mr. Hancock und seine Meerjungfrau. Ich habe der Autorin wirklich alles voll und ganz abgenommen und konnte das alte England regelrecht vor innerem Auge sehen. Dazu trägt vor allem ihr Schreibstil bei, denn dieser ist zwar fast schon als kunstvoll beschreibbar, aber gleichzeitig auch erschreckend ehrlich und klar. Hier wird sicher nichts beschönigt und eingelullt. Alles wird sehr klar und detailreich wiedergegeben, was dem Leser die Chance gibt, die Geschichte greifbar und hautnah mitzuerleben.
Gleichzeitig entsteht oft (vor allem gegen Ende des Buches) eine sehr düstere, fast schon melancholische Atmosphäre, die einem sowohl märchenhafte als auch auf die Wirklichkeit bezogene Aspekte der Geschichte nahebringt.

Fazit:
Man sollte sich hier wirklich voll und ganz in die Worte der Autorin legen und sich von diesen leiten lassen. Obwohl ich mit ganz anderen Erwartungen an die Geschichte gegangen bin, konnte sie mich überraschenderweise doch voll und ganz überzeugen. Die historischen Aspekte wurde detailgetreu und glaubhaft inszeniert, die wenigen, aber doch dominanten, Fantasy-Elemente dafür an genau der richtigen Stelle eingesetzt. Insgesamt ist es aber wirklich schwierig dieses Buch zu beschreiben, ohne größere Teile der Geschichte vorwegzunehmen, daher kann ich nur jedem empfehlen, das Buch selbst zur Hand zu nehmen - es lohnt sich absolut!


5 von 5 Sternen

Und hier bekommt ihr es. ☺
 Amazon 
 Thalia 


Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für dieses Rezensionsexemplar! ♥ 
Somit zählt diese Buchbesprechung (ebenso wie die zugehörigen Posts auf Instagram und Erwähnungen auf YouTube oder Goodreads) offiziell als Werbung. Ich betone aber, dass niemand meine Meinung erkauft. 

You Might Also Like

0 Kommentare:

Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden.